Memelland-Tour über die "Strasse 141"

10 Jahre nach meinem ersten Aufenthalt in Litauen, erfüllte ich mir 2015 den Wunsch einer 2-Tages-Tour durch das Memelland.


Den Termin für die Tour und welche Ziele ich jeweils für einen kurzen Fotostopp ansteuern wollte, hatte ich schon zuhause in Deutschland geplant.


Ebenfalls hatte ich bereits schon 8 Tage vorher eine passende Herberge für uns gebucht und es musste also nur noch das Wetter mitspielen…

 

Das Glück war mit uns und so starteten meine große Tochter & ich am 4. August morgens bei schönstem Sonnenschein von Panevezys via Krekenava nach Kedainiai.


In Kedainiai machten wir einen kurzen Abstecher in die Altstadt bevor es in Richtung Kaunas weiter ging. Bei Kaunas bogen wir dann auf die Straße 141, welche uns von nun an den Weg zeigen sollte.


In Raudondvaris war der erste Halt für ein Foto des gleichnamigen, 1615 aus roten Backsteinen gebauten Schlosses oder auch Tyszkiewicz-Palast genannt. Wir vertraten uns kurz die Beine, machten ein paar Fotos und fuhren weiter nach Vilkija.

In Vilkija bogen wir kurz von der 141 ab um direkt in den Ort zu fahren. Vorbei an der Kirche und am Krankenhaus, welches u.a. vom Verein „Kinder brauchen unsere Hilfe e.V.“ unterstützt wird, ging es wieder bergab auf die „141“, wo wir von einem Parkplatz den Blick auf den Fluss Nemunas und die kleine Fähre genossen. Nach einer kurzen Pause fuhren wir weiter.

Weil ein langjähriger Litauen-Freund und Mitglied des oben genannten Verein´s seit Jahren von dem Gehöft „Zalensai“ schwärmt und weil wir ganz in der Nähe waren, machten wir einen kurzen Abstecher zu diesem Gehöft.


Die Anlage aus mehreren Gebäuden liegt sehr ruhig mitten im Wald, ist sehr gepflegt und liebevoll angelegt. Hier können Feriengäste ganzjährig Urlaub machen.

Ich steuerte den Ort jedoch nur kurz an bevor wir nach Veliuona weiter fuhren.

Veliuona liegt auf einem etwa 30 Meter hohen Steilufer der Memel. Durch Archäologische Grabungen belegt, war dieser Ort schon in der Steinzeit besiedelt.

 

Im gepflegten Zentrum von Veliuona steht ein Denkmal zu Ehren des Großfürsten Gediminas, welcher hier in der Nähe 1341 den Tod gefunden hat und auf der früheren Burg von Veliuona bestattet worden sein soll. Aus diesem Grund heisst auch einer der beiden Burghügel Gediminasgrabhügel (lit.Gedimino kapo kalnas).

 

Vom Ortskern genießt man einen tollen Blick über den Nemunas (dt. Memel).

 

Am Ende des Ortes befindet sich auf dem örtlichen Friedhof eine kleine Kapelle die Ihrem Verfall überlassen wurde.

Das nächste Ziel war nun Raudone wo wir bei einem kleinen Spaziergang ein paar Fotos vom Schloss machten.

Auch 10 Km weiter in Panemunė hielten wir nur, um ein paar Fotos vom Schloss zu machen um nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Den kommenden Orten Skirsnemune und Jurbarkas schenkten wir keine große Beachtung. Unser nächstes Ziel für einen längeren Stopp sollte Smalininkai (dt. Schmalleningken) sein, wo ich einem lieben Menschen einen Besuch versprochen hatte.

 

Smalininkai war vor dem 2. Weltkrieg die östlichste Stadt, genauer gesagt Grenzstadt des Memelland. Noch heute kann man kurz vor dem Ortseingang auf der rechten Straßenseite die Überreste der alten Straße und Brücke sehen.

 

Wir kamen um die Mittagszeit bei Violeta an, die sich sehr über unseren Besuch freute und schon mit Kaffee und Gebäck auf uns wartete. Sie erzählte uns viel Interessantes über den Ort und seine Geschichte. Anschließend ging Violeta mit uns ein paar Meter zu Fuß bis zur Memel und dem alten (Winter-)Hafen um uns weitere interessante Dinge zu zeigen und darüber zu berichten. Ab Smalininkai beginnt auf der gegenüberliegenden Uferseite des Nemunas das russische Gebiet der Oblast Kaliningrad. Aus diesem Grund steht am alten Hafen auch ein Grenzpfeiler mit den litauischen Landesfarben, an welchem Violeta und ich unser Treffen noch mit einem Foto festhielten.

 

Nach ungefähr 2 Stunden verabschiedeten wir uns von Violeta und Ihrem Mann und setzten unsere Tour fort.

Ab Smalininkai bemerkte man auch eine deutliche Veränderung des Baustils der Häuser. Zuvor fast überall die für Litauen auf dem Land typischen Holzhäuser, konnte man nun vermehrt massive Stein- und Fachwerkhäuser sehen. Man erkannte die unterschiedlich geprägte Vergangenheit.

 

Eigentlich wollten wir auch in Viesvile einen kurzen Stopp einlegen um u.a. bei der neu angelegten Fischtreppe im Zentrum ein paar Fotos zu machen. Da wir aber noch einige Kilometer vor uns hatten und an entsprechender Stelle in Viesvile aufgrund des tollen Wetters viele Kinder sich mit baden und plantschen vergnügten, hielten wir nicht an.

 

Das nächste Ziel war der heilige Berg Rambynas (Rambyno kalnas). Der Berg ist ein heidnischer Kultort aus dem Altertum und liegt unweit der Strasse 141 in der Nähe des Ortes Bitenai (dt. Bittehnen).


Von dem Hügel genießt man einen herrlichen Blick über den Nemunas und bei schönem Wetter kann man am Horizont auch die Stadt Sovetsk
(Tilsit) erkennen, welche jenseits des Flusses auf dem Gebiet der Oblast Kaliningrad liegt.

 

Mehr über den „Rambyno kalnas“ gibt es hier zu lesen.

Da wir langsam echt hungrig waren beschlossen wir, das uns von Violeta empfohlene, Restaurant anzufahren. Allerdings nicht ohne uns vorher noch kurz dem litauisch-russischem Grenzübergang zwischen Panemunė und Sovetsk (Tilsit) zu nähern.

Das Restaurant „Sena Girai“ liegt etwas zurückgesetzt von der Straße 141 in einem Waldstück. Dank Violetas Skizze und dem Hinweisschild an der Straße konnten wir die Einfahrt jedoch nicht verpassen. Das Restaurant ist ein altes Forsthaus und sehr schön angelegt und eingerichtet. Die Speisekarte bot leckere Gerichte und hatte dazu noch sehr günstige Preise.

Leider wurden wir während dem Essen von ein paar Wespen genervt, aber wir wollten ja auch nicht lange bleiben.

Nach dem Essen wollten wir nun nicht mehr viel Zeit verlieren und fuhren auf direktem Weg weiter nach Ventaine, wo ich uns ein Zimmer für die Übernachtung reserviert hatte. Um 17 Uhr durchquerten wir noch Silute (Heydekrug) bevor wir um ca. 17.30 Uhr den tollen Platz Ventaine am Ventės ragas (Windenburger Eck) erreichten.

 

Ventaine ist eine Mischung aus Campingplatz & Pension direkt am kurischen Haff gelegen. Neben Campingplatz werden auch kleine Blockhäuschen und verschiedene Zimmer, wahlweise mit oder ohne Frühstück, angeboten.


Täglich gibt es morgens eine eigene Schiffsverbindung über das Haff auf die kurische Nehrung nach Nida und abends wieder zurück.


Wir hatten uns für ein Standard-Doppelzimmer für 58,- Euro / Nacht entschieden, welches sehr schön eingerichtet war, einen Kühlschrank und modernes Bad hatte und außerdem über einen direkten Blick auf das kurische Haff verfügte.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, stärkten wir uns im dazugehörigen Restaurant noch mit ChickenNuggets & Pommes und kühlen Getränken, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg zum alten Leuchtturm von Ventes ragas machten.

 

Wir gingen entlang der Straße und erreichten nach ungefähr

2 km, das mit neuen Radwegen und Parkplätzen angelegte Informationshaus bei der Vogelwarte.


Der kleine, 1863 erbaute Leuchtturm war noch offen und so ließen wir es uns nicht nehmen, unsere Augen aus 11 Metern Höhe über das frische Haff schweifen zu lassen.


Anschließend liefen wir auf dem Betonsteg bis dessen Ende und bewunderten mit einigen anderen Schaulustigen den traumhaft schönen Sonnenuntergang.

Bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwand machten wir uns auf den Rückweg, da wir nochmals im Restaurant einzukehren wollten, bevor dieses für heute die Türen schloss.

 

Anschließend gingen wir auf unser Zimmer, wo wir schon bald in unsere Betten fielen und, begleitet von leisem Wind- und Wellenrauschen, einschliefen...

 

Am nächsten Morgen packten wir ausgeschlafen und frisch geduscht unsere sieben Sachen ins Auto. Weil wir erst um ca. 9 Uhr auschecken konnten, fuhren wir mit dem Auto nochmals vor zum alten Leuchtturm.

 

Außer den vielen Möwen war niemand so früh hier wie wir, jedoch konnten wir auf dem Haff ein kleines Fischerboot mit 2 Männern erkennen, die Ihre Netze einholten.

Um kurz vor 9 Uhr konnten wir dann unseren Zimmerschlüssel abgeben und verabschiedeten uns.


Schon am Abend zuvor hatte ich meine Tochter überrascht und Ihr versprochen dass wir heute noch einen kurzen Abstecher nach Palanga machen würden um einmal über die belebte Basanavičiaus gatve bis auf die Seebrücke zu spazieren.


Auf dem Rückweg über die Flaniermeile nahmen wir um die Mittagszeit noch eine Mahlzeit zu uns, bevor wir uns dann auf schnellsten Wegen zurück nach Panevezys machten.

Insgesamt legten wir in den 2 Tagen durch anfahren geplanter und nicht geplanter Örtlichkeiten knapp 700 Kilometer zurück, hatten viel neues gesehen und viel Spass… so dass wir schon jetzt daran denken, die Tour zu wiederholen… dann allerdings mit der ganzen Familie!

Die nächste Reise nach Litauen startet in...


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